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Im ersten Teil unserer kleinen Serie ging es um die Angst vor der Industrie 4.0, um die Furcht vor der Automatisierung und die Sorge, als Mensch im Arbeitsleben überflüssig zu werden. Wir kamen zum Schluss, dass diese Sorge durchaus nachvollziehbar ist, es jedoch wenig zielführend ist, eine Entwicklung stoppen zu wollen, die sich nicht aufhalten lässt. Vielmehr geht es darum, sich in diesem neuen System zurechtzufinden und einen Platz darin einzunehmen.

Im zweiten Teil nun soll es unter anderem um lernende Computersysteme gehen.

 

Der Computer lernt … von sich selbst

Lernenden Computer sind im weitesten Sinne eine Form künstlicher Intelligenz. Waren frühere Modelle nur in der Lage, Dinge zu tun, die Menschen ihnen aufgetragen haben, sind wir bei der nächsten Stufe der Evolution angekommen. Heute ist es Rechnern möglich, aus dem Wissen, genauer: den Daten, über die sie verfügen, weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Sie werten also alles aus, womit sie einmal gefüttert wurden und entwickeln es weiter.

So ist beispielsweise das Computersystem namens „Watson“ von IBM in der Lage, beim Spiel „Jeopardy“ selbst die besten Spieler der Welt zu schlagen. Möglich ist dies durch eigene Selbstoptimierung. Watson lernt mit jeder Spielrunde dazu, „merkt“ sich Antworten und optimiert seine Strategie. Das führte dazu, dass er inzwischen praktisch unbesiegbar ist.
Nun ist dieses Beispiel recht harmlos, niemandes Arbeitsplatz hängt davon ab, ob er Watson beim Spielen schlagen kann oder nicht. Aber es macht deutlich, wie intelligent selbstlernende Rechner sind. Sie brauchen im Grunde nur eine Anleitung (in diesem Fall, um die Spielregeln kennenzulernen), den Rest erledigen sie selbst. Das hat auch Auswirkungen auf den beruflichen Alltag.

 

Jobs gehen, Jobs kommen …

Robotik, Automatisierung und künstliche Intelligenz werden sich massiv auf das Arbeitsleben auswirken, sie tun es ja bereits jetzt. Die Automobilindustrie hat schon in vielen Bereichen der Produktion auf automatisierte Prozesse umgestellt, und wo immer es geht, weitet sie diese Entwicklung aus. Auch viele andere Branchen kommen an Automatisierung, Robotik und künstlicher Intelligenz nicht vorbei. Und selbst wenn Manager großer Unternehmen Stein und Bein schwören, dass ihnen ihre Mitarbeiter ganz eng am Herzen liegen, die Wahrheit spricht eine andere Sprache. Als Unternehmenskapital werden Mitarbeiter nämlich nur in einer rosaroten Wolke gesehen. In erster Linie nehmen viele Arbeitgeber sie als Kostenfaktor wahr. Und wenn der gesenkt werden kann, geht es schnell von der rosaroten Wolke in die farblose Cloud.
Die Frage ist nicht, ob Jobs wegfallen, sondern welche und vor allem: wann. Der Prozess hat, wie wir wissen, längst begonnen, und er wird sich fortsetzen. Allerdings ist es nicht so, dass haufenweise Jobs vernichtet werden und die Menschen keine Tätigkeiten mehr haben, denen sie nachgehen könnten. Vielmehr findet eine Änderung statt, die weg von körperlichen Arbeiten und hin zu geistigen Tätigkeiten geht. Für junge Menschen bedeutet das für die Zukunft, dass sich Jobs entwickeln werden, die es heute noch gar nicht gibt. Sie werden auf den großen Bereich Industrie 4.0 ausgerichtet sein und naturgemäß viel mehr mit Computern, Programmieren und anderen Qualifikationen in diesem Bereich zu tun haben. Man merkt das heute zum Beispiel im Investmentbanking. Alleine der Aktienhandel wäre ohne Computer und ihre Fähigkeit, Entscheidungen in Bruchteilen von Sekunden zu treffen, nicht mehr möglich. Der „Handel“ mit Wertpapieren ist weitgehend automatisiert und mathematisiert.

 

Effizienz allerorten

Arbeiteten in Fabrikhallen vor 40 Jahren noch 100 Menschen, reichen für die gleiche Arbeit heute 20 aus. Und es ist nicht unrealistisch, wenn man davon ausgeht, dass es in ein paar Jahren nur noch fünf sein werden, die hochqualifiziert sind. Schauen wir 15 Jahre weiter in die Zukunft, ist womöglich nur noch ein Mensch nötig, um das zu regeln und zu steuern, was in früheren Zeit 100 Menschen leisten mussten. Nun kann man einwenden, dass es unmöglich ist, in einer schnelllebigen Zeit wie der heutigen derlei Prognosen anzustellen. Und das stimmt sicherlich auch. Anzunehmen, dass sich die Entwicklung umkehren oder dass sie auch nur stagnieren würde, ist jedoch nicht zulässig. Die umgekehrte Annahme erscheint realistischer: Was heute n Tempo A prognostiziert wird, geschieht morgen womöglich im deutlich schnelleren Tempo B. denn die Entwicklungen legen ein immer rasanteres Tempo an den Tag, und langsamer werden sie dabei sicherlich nicht.

 

Wohin die Reise geht

Im dritten und letzten Teil unsere Serie wird es um die Frage gehen, welche Branchen von der künstlichen Intelligenz, der Robotik und der Automatisierung betroffen sind bzw. künftig sein werden. Und wir nähern uns der Frage, wie überhaupt Arbeitsmodelle in Zukunft aussehen können. Muss überhaupt noch jeder arbeiten? Und könnte das in anderen Zusammenhängen viel diskutierte Bedingungslose Grundeinkommens dazu beitragen, dass die Wirtschaft künftig noch funktioniert? Immerhin gilt es, trotz aller automatisieren Verfahren und Prozesse den Binnenmarkt „bei Laune“ zu halten. Das geht jedoch nur, wenn die Menschen konsumieren können und dazu die Mittel bereitgestellt werden.

Seien Sie neugierig, der letzte Teil unserer Serien wird es in sich haben.

Thomas Lau ist Versicherungs- und Finanzexperte mit dem Schwerpunkt strategische Vermögensplanung und Altersvorsorgeberatung. Als Berater in privaten und betrieblichen Vermögensfragen betreut er seit mehr als 30 Jahren zahlreiche Unternehmer und Privatpersonen.Tel. 0241-9900170 | E-Mail: welt@aixpertio.de | Über den Autor »
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